ePortfolio-Systeme
Anlässlich des Übungsauftrags zum 19. 12. folgt hier ein Beitrag über ePortfolio-Systeme:
Welche technischen Umsetzungsformen von ePortfolios gibt es derzeit?
Die Entwicklung von ePortfolios befindet sich noch in einem frühen Stadium, und es gibt noch keine einheitliche Richtung. Wilson (2005) stellt fest:
“Dedicated e-Portfolio tools of the “first generation” (e.g. OSPI) tend to be transitional and enterprise-oriented. Current tools under development (e.g. ELGG) look more intersectional, but are evolving towards aggregation”.
(Wilson 2005: 26)
Aus technischer Sicht lässt sich festhalten, dass der derzeitige Standard (X)HTML ist; ein Format, das zwar sehr gut von Menschen gelesen und verarbeitet werden kann, um so schlechter jedoch von Computern. Künftige Systeme werden möglicherweise ein maschinenlesbares XML-Format verwenden.
Schaffert (2006) stellt zudem fest:
“Es gibt kein Tool, dass für alle Prozesse des EPortfolios, für alle möglichen Zwecke, alle Zielgruppen und technologische Voraussetzungen (was ist bereits vorhanden oder wird auch benötigt?) gleichermaßen geeignet ist.”
(Schaffert 2006: 60)
Zusammenfassung: Derzeit gibt es eine Reihe von verschiedenen Systemen: LMS (Moodle), PLEs/Personal Learning Environments (ELGG), E-Portfolio-Tools (Pebblepad), CMS/Content Management Systems (Joomla), Personal-Publishing-Tools (Weblogs, Wikis), …, die alle auf verschiedene Aspekte zielen; es gibt (noch?) kein einheitliches System.
Ist die Kombination eines Weblogs mit weiteren Diensten (und deren Vernetzung mit Tagging, RSS, etc) ein ePortfolio?
“Ein Portfolio ist eine gezielte Sammlung von Schülerarbeiten, mit der die Geschichte der Anstrengungen, Fortschritte und Leistungen einer Schülerin, eines Schülers erzählt wird. Im Portfolio sollten die Selbstreflexionen der SchülerInnen und ihre aktive Beteiligung an der Auswahl der Portfolioinhalte, der Auswahlkriterien und der Beurteilungskriterien zu erkennen sein.”
(Arter 1990 zit. n. Schaffert 2006: 6)
Nach dieser Definition kann ein (vernetztes) Weblog sehr wohl als ePortfolio dienen, da es durch die chronologische Sortierung, die eindeutige Lokalisierung von Informationen (in Form von Beiträgen, die über Zeitstempel und Permalink verfügen) und Kategorisierung (durch Tags) sowohl als persönliches Lernprotokoll als auch als Selbstdarstellung (v. a. in Verbindung mit anderen Diensten) dienen kann (vgl. Baumgartner 2005: 3). Auch Klampfer (2005) stützt diese Ansicht: er schlägt vier Module vor, die ein ePortfolio-System besitzen sollte: 1) ein System zur Verwaltung digitaler Objekte (z. B. eSnips), 2) ein Content Management System (z. B. statische Seiten im Weblog), 3) ein Modul zum reflexiven Lernen (das Weblog an sich) und 4) Kommunikationsmöglichkeiten und Social Networking (vgl. Klampfer 2005: 16). All diese Dinge lassen sich bereits heute verwenden und vernetzen (Links, Trackbacks, RSS, …).
Was haben PLEs und ePortfolios gemeinsam? Was unterscheidet sie?
Die Gemeinsamkeit von Personal Learning Environments (Wikipedia-Artikel gerade angelegt; wer möchte mithelfen?) und ePortfolios liegt meines Erachtens in der Offenheit ihrer Strukturen. Beide sind im Idealfall das ganze Leben lang verfügbar und begleiten den Lernenden überall hin.
Die Unterscheidungsmerkmale ergeben sich durch die Bezeichnung “ePortfolio”, die eigentlich nur ein Überbegriff für verschiedene Modelle und ihre Zielsetzungen ist (Entwicklungsportfolio, Kursportfolio, Lehrportfolio, Laufbahn-Portfolio, Aufnahme-Portfolio, …, vgl. Hornung-Prähauser/Hilzensauer 2006). Mehr kann ich dazu leider auch nicht sagen; deswegen würde ich mich sehr über Kommentare zu diesem Thema freuen!
Wie würde ein ideales ePortfolio aussehen? Was müsste alles enthalten sein? Ist das derzeit realisierbar?
Meiner Meinung nach vereint ein ideales ePortfolio alle oben genannten Dinge miteinander. Es sollte gleichzeitig als Selbstdarstellung und persönliches Lern- und Reflexionstool sein. Wenn man die Forderungen von Klampfer (2005) berücksichtigt, müsste ein solches System viele Features besitzen: ein ausgeklügeltes Dateimanagement, ein Content Management System, ein Weblog, Kommunikationsmöglichkeiten wie Diskussionsforen, evtl. ein Wiki sowie Social Networking-Dienste (Bookmarks, Bilder, …) oder noch besser eine Schnittstelle zu bereits bestehenden Diensten. Meines Erachtens sind die technischen Hürden, die derzeit bestehen, das Hauptproblem. Es gibt noch keinen allgemein anerkannten Standard zur Kommunikation (auch maschinenlesbar) zwischen all diesen Modulen, auch wenn bereits daran gebastelt wird.
Quellen:
Arter, J. (1990): Using Portfolios in Instruction and Assessment. State of the Art Summary. o. O.
Baumgartner, P. (2005): Eine neue Lernkultur entwickeln. Kompetenzbasierte Ausbildung mit Blogs und E-Portfolios. In: Hornung-Prähauser, V. (Hg.) (2005): ePortfolio Forum Austria. Salzburg, 33-38. Online unter: http://www.peter.baumgartner.name/material/article/eportfolio_deutsch.pdf/download (17. 12. 2006)
Hornung-Prähauser, V./Hilzensauer, W. (2006): ePortfolio. Methode und Werkzeug für kompetenzbasiertes Lernen. Online unter: http://edublog-phr.kaywa.ch/files/eportfolio_srfg.pdf (17. 12. 2006)
Klampfer, A. (2005): Virtuelle Portfolios im Bildungsbereich. Online unter: http://teaching.eduhi.at/alfredklampfer/eportfolios_klampfer.pdf (17. 12. 2006)
Schaffert, S. (2006): E-Portfolio. Möglichkeiten und Herausforderungen. Vortrag. Swiss Centre for Innovations in Learning, St. Gallen: 28. 11. 2006. Online unter: http://edublog-phr.kaywa.ch/files/schaffert_endversion.pdf (17. 12. 2006)
Wilson, S. (2005): e-Portfolios. Vortrag. Universität Sydney: 23. 05. 2005. Online unter: http://www.cetis.ac.uk/members/scott/resources/eportfolio.ppt (17. 12. 2006)
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